Germany
March 30, 2026
Der Boden als Kompass

Von Vitalis Organic Seeds (Teil der Enza ZadenFamilie) sprachen wir mit Jan-Willem Bakker von Bakker Bio aus Munnekezijl, NL. Ziel war es zu verstehen, wie sein biologischdynamisches Anbausystem funktioniert, welche Entscheidungen er im sich wandelnden Klima trifft und welche Rolle moderne biologische Sorten (wie Tessaury) dabei spielen.
Eine Anbauvision, die bei der Bodengesundheit beginnt
Im biologischen Gemüsebau trifft man selten auf einen Betrieb, in dem Kreislaufwirtschaft, Bodenleben und Anbaustrategie so nahtlos ineinandergreifen wie bei Bakker Bio. Jan-Willem Bakker baut seit dem Jahr 2000 biologisch an und stellte 2020 auf biologisch-dynamisch (Demeter) um. Keine radikale Kursänderung – vielmehr eine konsequente Vertiefung dessen, was den Betrieb ohnehin antreibt: Jede Entscheidung beginnt bei der Bodengesundheit und -management für den ökologischen Anbau. Die Betriebsführung basiert auf einem sorgfältig aufgebauten Nährstoffkreislauf. Kleegras liefert organische Substanz, ebenso wie Festmist der eigenen Kühe und der Ziegen lokaler Bio-Landwirte. So schließt Jan-Willem Bakker den Nährstoffkreislauf. In der Praxis bedeutet das: nicht pflügen, feste Fahrgassen nutzen, mit Zwischenfrüchten arbeiten und anstelle von Gülle ausschließlich Festmist einsetzen. Der Effekt ist deutlich spürbar: eine lockere, aktive Bodenstruktur, bessere Stickstoffbindung, weniger Nährstoffauswaschung und eine optimierte Wasserführung – all das führt zu einem gleichmäßigeren Pflanzenwachstum.

„Unsere eigenen Kühe sind die Basis unseres Anbauplans – und damit des gesamten Betriebs“, sagt Jan-Willem.
Die gesamte Stickstoffzufuhr liegt bei rund 100–110 kg N/ha, davon stammen 30–40 % aus betriebseigenem Mist. Durch den festen Anbauplan mit durchgehender Begrünung und das konsequente Fördern des Bodenlebens wird der Boden jedes Jahr fruchtbarer – mit guten, stabilen Erträgen als Ergebnis.
Dieses systemische Denken ist längst keine Kür mehr. Das Klima verändert sich: Hitzewellen, längere Trockenperioden und intensivere Niederschläge zwingen Landwirte dazu, Risiken vorzubeugen, statt sie im Nachhinein auszugleichen. Im Bio-Anbau ist Prävention über den Boden und eine weite Fruchtfolge die zuverlässigste Strategie. Schädlinge wie Blattläuse, Thripse oder Phytophthora erfordern viel Aufmerksamkeit – doch die Antwort bleibt dieselbe: Das System muss stimmen, damit die Pflanzen widerstandsfähig sind, wenn es darauf ankommt.
Sortenwahl als Verlängerung der Betriebswerte
Auch in der Sortenwahl zeigt sich die Einheit von Überzeugung und Praxis. Als Demeter-Betrieb nutzt Bakker Bio ausschließlich CMSfreie Sorten und – wo möglich – biologisch vermehrtes Saatgut. Das macht die Sortenwahl im Blumenkohl, besonders im Sommer, anspruchsvoller – aber nicht weniger ambitioniert.
Genau deshalb fiel die Entscheidung auf Tessaury, die biologische Sommerblumenkohlsorte von Vitalis Organic Seeds. Die Sorte passt zur Betriebsphilosophie und integriert sich optimal in das bodengeführte Anbausystem: Robustheit, Planbarkeit und Einheitlichkeit sind hier entscheidend. Der Absatz kombiniert Wochenpreise und feste Vereinbarungen. Dann muss ein Schlag zuverlässig einheitlich sein und planbar geerntet werden können.
„Man braucht Sorten, die halten, was sie versprechen – besonders, wenn es warm wird“, fasst Jan-Willem zusammen.
Der Absatzmarkt hat sich verändert: Ging biologischer Blumenkohl früher überwiegend ins Ausland, bleibt heute rund 90 % in den Niederlanden. Das verkürzt die Lieferkette und macht die Planung enger – während andere Kulturen (wie Kürbis) weiterhin überwiegend nach Deutschland gehen. Diese Dynamik zeigt, wie wichtig Planbarkeit ist: Sorten müssen nicht nur agronomisch passen, sondern auch logistisch.
Tessaury beweist in der Praxis, dass beides zusammengeht: Eine Sorte, die den strengen Bio-Vorgaben entspricht und zugleich die Marktstabilität liefert, die heute gefragt ist.

Gemeinsam an der Zukunft des Bio-Anbaus arbeiten
Die Zusammenarbeit zwischen Bakker Bio und Vitalis Organic Seeds (Teil der Enza ZadenFamilie) geht daher weit über die Lieferung von Saatgut hinaus. Es ist ein Dialog über das, was künftig gebraucht wird:
- Welche Eigenschaften machen eine Sorte widerstandsfähig bei veränderten Wetterbedingungen?
- Wie bleibt Qualität stabil, wenn Lieferketten kürzer und Aktionen enger getaktet werden?
Die Erkenntnisse aus der biodynamischen Praxis – wie bei Jan-Willem – fließen direkt in die Züchtung ein. Und umgekehrt liefert die Züchtung Sorten zurück, die noch besser ins System passen – Tessaury ist aktuell ein konkretes Beispiel dafür.
Ein zukunftsfähiges System wächst aus einer klaren Richtung
Die Geschichte von Bakker Bio zeigt: Mit einer klaren Richtung – Bodengesundheit, Kreislaufwirtschaft, konsequente Fachkompetenz – lässt sich nicht nur heute ein gutes Produkt erzeugen, sondern auch eine widerstandsfähige Landwirtschaft von morgen gestalten.
Tessaury zeigt zugleich, dass Prinzipien und Innovation sich nicht widersprechen: Gerade im Bio-Anbau beweisen moderne Sorten ihre Stärke, wenn das System die Richtung vorgibt. So wächst mehr als nur Blumenkohl – es wächst Vertrauen. Vertrauen, mit dem Züchter und Landwirte gemeinsam weiterentwickeln und an einer biologisch Zukunft arbeiten.